Administrative Koordinatorin

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 104 b
07743 Jena
christin.veltjensuni-jena.de
Tel. +49 (0) 3641 9 44191

 

 

 

 

Arbeitsgebiete am GRK

  • Überwachung des Finanzhaushaltes des Graduiertenkollegs
  • Administrative Betreuung der Doktorand_innen
  • Unterstützung bei der Durchführung des Curriculums und den Veranstaltungen des GRK
  • Qualitätssicherung
  • Dokumentation
  • Betreuung des Internetauftritts des GRK
Curriculum Vitae
  • Seit 2015 administrative Koordinatorin des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“ an der FSU Jena
  • 2013-2014 Koordinatorin für Graduiertenprogramme, insbesondere der International Max Planck Research School for Comparative Legal History am MPI für europäische Rechtsgeschichte
  • 2012-2014 Gleichstellungsbeauftragte des MPI für europäische Rechtsgeschichte
  • 2010-2013 Promotionsförderung an der International Max Planck Research School for Comperative Legal History am MPI für europäische Rechtsgeschichte
  • 2005-2010 Studentische Hilfskraft in verschiedenen Digitalisierungs- und Erschließungsprojekten an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar
  • 2002-2009 Magisterstudium der Neueren Geschichte, Volkskunde/Kulturgeschichte, Alten Geschichte an der FSU Jena und an der Université de Savoie Chambéry
Forschungsinteressen
  • Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit
  • Recht in der Frühen Neuzeit
Dissertationsprojekt

Richtende Professoren und undisziplinierte Studenten. Die akademische Gerichtsbarkeit der Universität Jena, Freiburg und Marburg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Den Zugang zur akademischen Lebenswelt im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eröffnete der Eintrag in die universitären Matrikelbücher sowie das Schwören eines Eides auf die akademische Korporation. Fortan gehörte der Immatrikulierte zum Kreis der sogenannten Universitätsverwandten, er wurde mithin zum akademischen Bürger, was ihm bestimmte Sonderrechte garantierte, so etwa die Steuerfreiheit oder auch das Recht, sich unter die Universitätsgerichtsbarkeit zu stellen und somit von anderen lokalen Gerichten eximiert zu sein. Die akademische Gerichtsbarkeit, die zumeist vom Rektor und einem Professorengremium ausgeübt wurde, umfasste weitreichende Kompetenzen, doch trat sie am häufigsten als Disziplinargerichtsbarkeit gegenüber normabweichendem Verhalten von Studenten auf. Hauptsächlich in dieser Funktion wurde das akademische Gericht, das das universitäre Zusammenleben ordnete, Rechts- und Wertvorstellungen beschützte und deviantes Verhalten sanktionierte zu einem elementaren Bestandteil der akademischen Lebenswirklichkeit von Studenten und von den als Richter fungierenden Professoren. Im Rahmen des Dissertationsprojektes wird die akademische Gerichtsbarkeit erstmals als ein komplexes Bündel aus Institutionen, Normen, Funktionsweisen und Wertvorstellungen, dessen Ausgestaltung im Wesentlichen von den universitären Akteuren mit ihren sozialen und kulturellen Praktiken abhängig ist, verstanden und untersucht. Unter Anwendung eines konsequenten konfessionellen Vergleiches der Gerichtsbarkeiten der Universitäten Jena (lutherisch), Freiburg (katholisch) und Marburg (reformiert) werden nicht nur allgemeingültige Aussagen zu institutionen-und verfassungsgeschichtlichen sowie zu rechtsnormativen und rechtspraktischen Aspekten der akademischen Gerichtsbarkeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts getroffen, sondern gleichermaßen wird auch die Funktion und Bedeutung derselben in der universitären Alltags- und Lebenswelt angemessen bestimmt. Zu diesem Zweck werden die Protagonisten der akademischen Gerichtsbarkeit in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt, vor allem wird der frühneuzeitliche Professor – der bislang in der Forschung weitgehend ausgeblendet blieb – in Interaktion mit seinem ihm anvertrauten Schülerkreis fokussiert, wie er den Studenten als akademischer Richter, aber auch als Seelsorger, Lehrer und Erzieher, mithin auch als familiärer Vaterersatz in der Fremde des Studienortes gegenüberstand. Das besondere Interesse besteht hierbei darin, zum einen das Selbstverständnis der akademischen Richter zu erörtern und zum anderen Kenntnisse über die Rechts- und moralischen Wertvorstellungen der Professoren zu gewinnen, die sie beim Nachgehen ihrer sämtlichen Aufgaben – explizit aber als akademische Richter in ihren disziplinarischen Untersuchungen und Urteilen –transportierten. Darauf aufbauend werden auch konfessionsspezifische Gesichtspunkte der deutschen Universitätsgeschichte berührt, indem gefragt wird, ob sich im Vergleich der drei Universitäten jeweils eine spezifisch konfessionell determinierte Rechtsmoral erkennen lässt, die von den akademischen Richtern bei ihrer Urteilsfindung zugrunde gelegt und den Studenten auf diese Weise vermittelt wurde. Durch einen interdisziplinären Forschungsansatz, dem Perspektivenwechsel auf den frühneuzeitlichen Professor und mit der forschungsleitenden Frage nach dem akademischen Gericht als sittlich-moralischer Sozialisationsinstanz für heranwachsende Studenten wird eine grundlegende Neubewertung der Thematik der akademischen Gerichtsbarkeit angestrebt sowie ein innovativer Weg für die Sozial- und Kulturgeschichte der vormodernen Studenten, Professoren und deren Lebenswirklichkeit gewiesen.

Das Dissertationsprojekt wird betreut von Matthias Asche (Potsdam).

Publikationen
  • Rezension zu: Theresa Schmotz, Die Leipziger Professorenfamilien im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Studie über Herkunft, Vernetzung und Alltagsleben, Stuttgart 2012, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 60 (2014).
  • Ob Wir nun wohl davon weit entfernt sind, Unsere Studiosos von erlaubten Vergnügen abzuhalten… – Akademische Gesetze und die Reglementierung studentischer Geselligkeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel der Universitäten Marburg und Jena, in: Kirsten Bernhardt/Barbara Krug-Richter/Ruth-E. Mohrmann (Hgg.), Gastlichkeit und Geselligkeit im akademischen Milieu in der Frühen Neuzeit, Münster/New York/München/Berlin 2013, S. 113-131.
  • (zusammen mit Gesine Güldemund/Nina Keller/Ulrike Schillinger) Reformdebatten in der Dauerschleife? – Juristenausbildung als Denkort kritischer Reflexion, in: KritV 95 (2012), S. 230-246.
  • Art. „Universitätsstadt“, in: Enzyklopädie der Neuzeit, hrsg. von Friedrich Jaeger, Bd. 13, Stuttgart 2011, Sp. 1045-1048.
  • Rezension zu: Joachim Bauer/Andreas Klinger/Alexander Schmidt/Georg Schmidt (Hg.), Die Universität Jena in der Frühen Neuzeit. Mit einem Vorwort von Klaus Dicke, Heidelberg 2008, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte 65 (2011), S. 378-380.
  • Rezension zu: Steffen Kublik, Die Universität Jena und die Wissenschaftspolitik der ernestinischen Höfe um 1800, Marburg 2009, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte 65 (2011), S. 408-410.
  • Die akademische Gerichtsbarkeit der Universität Jena. Rechtsinstitution, Rechtsnorm und Rechtspraxis unter besonderer Berücksichtigung der Visitation von 1766/67, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte 64 (2010), S. 181-214.
  • Rezension zu: Barbara Krug-Richter, Ruth-E. Mohrmann (Hgg.), Frühneuzeitliche Universitätskulturen. Kulturhistorische Perspektiven auf die Hochschulen in Europa, Köln/Weimar/Wien 2009, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 55 (2010), S. 196-197.