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Monday, 27. June 2022

Drei Fragen an: Dennis Schäfer

Gäste am Graduiertenkolleg beantworten drei Fragen zur Bedeutung von "Romantik" für ihr Leben und ihre Forschung.

1.    Was verbinden Sie ganz allgemein mit ‚Romantik‘?

Romantik assoziiere ich ganz allgemein mit Sehnsucht: einer Sehnsucht nach einem Absoluten, der Einheit von Kunst und Leben oder Geist und Materie. Auf einer ihrer schönsten Weisen wird meiner Meinung nach diese Sehnsucht, wie auch der Glaube daran, von E.T.A. Hoffmann in Die Elixiere des Teufels ausgedrückt:
„Den Zusammenhang deiner eignen, seltsamen Schicksale, die dich bald in eine höhere Welt wunderbarer Visionen, bald in das gemeinste Leben versetzen, wirst du erfahren. Man sagt, das Wunderbare sei von der Erde verschwunden; ich glaube nicht daran. Die Wunder sind geblieben […].“

2.    Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrem aktuellen Forschungsvorhaben? Wie setzen Sie sich in Ihrem Forschungsprojekt mit dem Phänomen ‚Romantik‘ auseinander?

Ich erforsche die Romantik im Rahmen meiner Doktorarbeit ausgehend von ihren Abschriften und Abschreibern, auch Amanuensis genannt. Konkretes Ziel ist es, eben jene Momente in der Romantik zu untersuchen, in denen Autorschaft und Schreibkunst scheinbar getrennte Wege gehen. Ziel ist es, diese mediale Konfiguration des Kopisten, Sekretärs und Autors in ihrer romantischen Ausprägung zu verstehen, also ausgehend von der in ihr scheinbar verkörperten Differenz zwischen dem künstlerisch-romantischen Individuum und dem alltäglichem Textarbeiter.
 
3.    Im Graduiertenkolleg „Modell Romantik“ wird davon ausgegangen, dass die Romantik modellbildende Qualitäten aufweist. Können Sie etwas damit anfangen?

Der modellbildende Charakter der Romantik liegt für mich in ihrer Prägung einer ganzen Bandbreite von Autorenfunktionen, die mehr als die Idee eines singulären Autors umfassen. Die Bandbreite reicht dabei von der Symphilosophie der Frühromantiker zu anderen kollaborativen Schreibe- und Abschreibeprozessen, wie sie in den Werken und Praktiken Johann Wolfgang Goethes, Bettina von Arnims oder E.T.A. Hoffmanns umgesetzt werden oder zum Ausdruck kommen. Hierin möchte ich die Romantik in ihrer Modellhaftigkeit für unser heutiges, ‚modernes‘ Verständnis von Autorschaft näher untersuchen. Ich möchte die eigenen Ansichten der Romantik anhand konkreter Beispiele aus ihren eigenen literarischen Darstellungen sowie aus ihrer eigenen Literaturproduktion, d.h. auch Manuskripte und Abschriften, problematisieren.

Dennis Schäfer (Princeton) ist vom 27. Juni bis zum 8. Juli zu Gast am DFG-Graduiertenkolleg "Modell Romantik".

Deniis Schäfer ist vom 27. Juni bis 8. Juli zu Gast am Kolleg.