Veranstaltung

Freitag, 26. November 2021

Streitgespräch zu unterschiedlichen "Wissenschaftskulturen" im GRK "Modell Romantik"

Ein empirisches und formal fundiertes Konzept liegt den Naturwissenschaften und einem größer werdenden Teil der Sozialwissenschaften zugrunde. Auch die Geisteswissenschaften werden zunehmend – vor allem durch die proaktive Rolle der Digital Humanities und der methodologischen Entwicklung der modernen Linguistik – mit dem Anspruch auf datengetriebenes, empirisches Arbeiten konfrontiert. Die Diskussionen dazu, ob eine solche Umstellung möglich und sinnvoll ist, haben eine längere Tradition.

Eine Adaptierung naturwissenschaftlicher Ideale (bzw. ihres Verständnisses bei Popper u.a.) in den Sozial- und Geisteswissenschaften wurde etwa in der Phänomenologie, der Kritischen Theorie und vielen Spielarten der verstehenden Soziologie als unsachgemäß, übersimplifizierend oder sogar als Herrschaftstechnik zurückgewiesen. Es bleibt zu fragen, ob sich die argumentative und institutionelle Lage mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändert. Ist die Hermeneutik auf dem Rückzug oder kann sie weiterhin plausible Argumente und Erklärungsfiguren für die dedizierte Sonderrolle der Geistes- und Sozialwissenschaften formulieren? Können diese Wissenschaften überhaupt auf eine solide empirische und formale Basis gestellt werden? Wenn ja, warum ist dies im Kolleg nicht breiter geschehen? Wenn nein, was sind die wissenschaftstheoretisch explizit zu machenden Gründe einer solchen Sonderstellung im Wissenschaftssystem, und wie stehen die Aussichten, sie zu verteidigen?

Das in bester akademischer Tradition antagonistisch geführte Streitgespräch wird von Tilman Reitz als einem Vertreter des hermeneutischen Ansatzes und Udo Hahn als Vertreter sowohl des formal-mathematischen als auch empirisch-experimentellen Ansatzes geführt. Nach ihrer Darlegung der jeweiligen Wissenschaftskonzeptionen werden beide ihre Positionen im Austausch weiter schärfen und akzentuieren, um schließlich in eine breite Diskussion mit dem Plenum einzutreten.