Kollegiat:innen 3. Kohorte

Gabriel Ascanio Hecker, M.A.

Gabriel Ascanio Hecker, M.A.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
DFG-Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Sprecher der Doktorand:innen
Bachstraße 18k | R. 107
07743 Jena
+49 3641 944-195
gabriel.ascanio.hecker@uni-jena.de

Curriculum Vitae

2005-2013 Wilhelmsgymnasium München

2013-2016 B.A. Germanistik und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München

2014-2019 Studentische Betreuungskraft in der Offenen Ganztagsschule des Wilhelmsgymnasiums München

2015 Studentische Hilfskraft im Forschungsprojekt „Bayerische Staatsoper 1933 – 1963“ am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München

2016-2019 M.A. Germanistische Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft an der LMU München

2016–2019  Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Susanne Reichlin (Deutsche Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit bis 1700 mit einem Schwerpunkt auf der Texttheorie) an der LMU München – u.a. Mitarbeit in der Redaktion des ‚Handbuch Minnesang‘ (hg. von Beate Kellner, Susanne Reichlin und Alexander Rudolph. Berlin/Boston 2021)

2017 Zweimonatiges Vollzeit-Praktikum bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG

2017-2019 Förderung durch das Deutschlandstipendium

2019-2021 Postgraduierte Studien in Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fernstudium, Aufenthalt großteils in Wien

seit 2021 Kollegiat im Graduiertenkolleg „Modell Romantik“

Dissertationsprojekt

Modelle romantischer Ironie um 1800, bei Friedrich Nietzsche und im Poststrukturalismus

Über das seit dem Altertum bekannte rhetorische Mittel deutlich hinausgehend entwickelt sich Ironie in der Romantik zu einer zentralen theoretischen Kategorie und zu einer Geisteshaltung, die auf inhaltlicher wie formaler Ebene das Denken und Schreiben zahlreicher Autor:innen (insbesondere der Jenaer Frühromantik) umfassend prägt. Diese Geisteshaltung lässt sich – wie viele andere Aspekte der historischen Romantik auch – als Reaktion auf die tiefgreifenden politischen, sozialen und philosophischen Umbrüche der Jahre um 1800 begreifen. In dem Maße, in dem die bei diesen Umbrüchen sich auftuenden großen Fragen bis heute unbeantwortet sind, ist dabei auch die (romantische) Ironie als Haltung und Mittel eine naheliegende Reaktion auf diese Fragen geblieben.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung rückt das Dissertationsprojekt zwei prominente geistesgeschichtliche Positionen bzw. Positionskomplexe in den Fokus der Untersuchung, nämlich das Werk Friedrich Nietzsches und die im sogenannten Poststrukturalismus zusammengefassten theoretischen Strömungen des späteren 20. Jahrhunderts. Beide genannten Werkkorpora weisen ‚ironistische‘ Qualitäten auf, insofern sie – zumindest in Teilen – deutlich von Strukturen der Selbstbezüglichkeit und Selbstwidersprüchlichkeit geprägt sind, die auch die romantische Ironie auszeichnen. Während im rhetorischen Sinn ironische Ausdrücke aufgelöst und übersetzt werden können in das, was eigentlich gemeint ist, lässt die romantische Ironie keine solche Auflösung zu, zielt auf kein artikulierbares ‚eigentlich Gemeintes‘, sondern ist vielmehr Reflexion der Unzulänglichkeit jeder Artikulation und ironisiert konsequenterweise auch sich selbst (‚Ironie der Ironie‘). Sprach- oder Erkenntnisskeptische Positionen bei Nietzsche oder aus dem Poststrukturalismus stellen sich teilweise in ähnlicher Weise selbst infrage (so hat etwa jede radikal sprachskeptische Argumentation das Problem, selbst sprachlich verfasst zu sein). Absicht des Dissertationsprojekts ist es nun, ausgewählte Texte Nietzsches und aus dem Poststrukturalismus im Hinblick auf ihre expliziten und impliziten, bewussten und unbewussten Beziehungen zur historischen romantischen Ironie hin zu beleuchten, was freilich die Klärung der Frage voraussetzt, was überhaupt unter ‚romantischer Ironie‘ genau zu verstehen ist. Prägnant formuliert lautet die Fragestellung des Projekts also: ‚Was ist romantische Ironie und inwiefern spielt sie in Texten Friedrich Nietzsches und solchen des Poststrukturalismus eine Rolle?‘

Ein modelltheoretisch fundiertes Vorgehen verspricht sich dabei als hilfreich und fruchtbar zu erweisen: Anhand einer möglichst breiten Basis (‚Matrix‘) von theoretischen und literarischen Texten der historischen Romantik soll ein differenziertes Modell romantischer Ironie erstellt werden, das die Heterogenität der theoretischen Definitionen wie auch praktischen Manifestationen des Ironischen in der historischen Romantik abbildet. Bei den Texten Nietzsches und aus dem Poststrukturalismus ist dann jeweils zu untersuchen, inwiefern die Texte a) (romantische) Ironie thematisieren, also beispielsweise definieren, diskutieren etc., sowie b) selbst Formen von Ironie aufweisen. Die Modelle von (romantischer) Ironie, die dabei a) explizit von den Texten kreiert oder präsentiert werden oder b) implizit in den Texten ihre Wirkung entfalten, lassen sich mit dem zuvor in der Arbeit entwickelten Modell romantischer Ironie vergleichen. So kann gezeigt werden, a) wie sich die untersuchten Texte ‚bewusst‘ zur romantischen Ironie positionieren, b) wie Letztere als abstraktes Modell aber auch ‚unbewusst‘ in ihnen Niederschlag findet.

Publikationen