Kollegiat:innen 3. Kohorte

Andrin Albrecht, M.A.

Andrin Albrecht, M.A.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
DFG-Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 108
07743 Jena

+49 3641 944196
andrin.albrecht@uni-jena.de

Curriculum Vitae

2014-2018 Bachelor of Arts in Englischer Sprach- und Literaturwissenschaft und Geschichte an der Universität Zürich

2016 Auslandsemester an der Colorado Mesa University, Grand Junction, USA

2018-2020 Master of Arts in Englischer Sprach- und Literaturwissenschaft und Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich, Masterarbeit bei Prof. Dr. Elisabeth Bronfen

2019 Auslandsemester an der Nanyang Technological University, Singapur

2019-2020 Forschungsassistent an der Universität Zürich für den Lehrkredit: Audiovisual Essays

2020-2021 Kurator und Webdesigner der virtuellen Ausstellung „Black Modernities“ in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ana Sobral von der Universität Zürich

seit 2021 Doktorand am Graduiertenkolleg „Modell Romantik“, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Dissertationsprojekt

Über die Form der Leere als Herausforderung Romantischer auktorialer Souveränität in US-Amerikanischer postmoderner Literatur

Mein Projekt baut auf die von der US-amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Caroline Levine entwickelten Methodik des ‚new formalism‘ auf und erweitert ihre Konzepte „Ganzes“, „Rhythmus“, „Hierarchie“ und „Netzwerk“ – transmediale und -historische Anordnungen, die sowohl ästhetisches als auch politisches Potential erschließen – um eine fünfte essentielle Form: die Leere (void). Diese Form, so möchte ich in meiner Arbeit aufzeigen, spielt eine Schlüsselrolle in einer ganzen Reihe literarischer, philosophischer und politischer Traditionen, nicht zuletzt in der Romantik selbst, doch sie gewinnt ihre vielleicht akuteste Relevanz in einem Feld, das eigentlich dafür bekannt ist, systematisierende Prinzipien und Ordnungsmuster wann immer möglich zu dekonstruieren: dem US-amerikanischen Postmodernismus.
Durch die Analyse von Poetik, Narrativ, und historischem Kontext in Texten von Thomas Pynchon, Vladimir Nabokov, Stanley Kubrick und Mark Z. Danielewski verfolge ich Manifestationen und Erscheinungsbilder der Leere als eine bewegliche, wandelbare und enigmatische Konstellation, welche durch kategorische Unzugänglichkeit definiert ist – sie ist unkartographierbar, unsagbar, schließt nichts ein, sondern immer nur aus. Diese Funktion des kategorischen Ausschließens gewinnt nimmt aktuelle politische Züge an, wenn sie mit Romantischen Vorstellungen des Autors als genialer Schöpfer, als in vielen Zügen gottähnlicher Souverän seines Werks in Verbindung gebracht wird. Eine Reihe poststrukturalistischer Theoretiker, am bekanntesten darunter Roland Barthes mit seiner Verkündung des „death of the author“, warnten vor den autoritären Dynamiken, die einer zentralen Autorenfigur innewohnen. In meiner Arbeit zeige ich, dass es eben die Form der Leere ist, welche diese problematische Autorenfigur zurück ins Scheinwerferlicht bringt, indem sie diese vorsätzlich aus einem Teil ihres Werks ausschließt und damit die Grenzen ihrer Souveränität markiert, die Limitationen des gottähnlichen Schöpfungsanspruchs. Zu diesem Zweck werden philosophische Theorien der Leere zwischen Romantik und Poststrukturalismus, insbesondere Hegel, Schlegel, Foucault und Kristeva, miteinander verglichen und zu einer paradigmatischen Theorie der Leere verbunden, ihre Manifestationen auf verschiedenen textlichen Ebenen untersucht, und schlussendlich analysiert, in welcher Weise diese Gruppe postmoderner Autoren – alle davon weiße US-Amerikaner aus privilegierten soziokulturellen Kreisen, deren bisher größtenteils apolitische Rezeption angesichts ihrer zentralen Stellung im US-Amerikanischen Kanon zwangsläufig ebenfalls als politischer Akt verstanden werden muss – die Form der Leere verwenden: Resultiert sie in einer Art Selbst-Sabotage, einem bewussten Hinweis auf die eigenen Grenzen, welche als kritische Auseinandersetzung mit Weissheit, Männlichkeit, und politischer Hegemonie gedeutet werden kann? Ist die Leere ein unabdingbarer Bestandteil demokratischer Projekte, wie es die politischen Bestrebungen Romantischer Autoren bereits andeuten, und Theoretiker wie Derrida, Rancière und Kompridis Jahrzehnte nach dem Erscheinen der hier untersuchten Romane in Worte fassten? Oder ist die dramatisierte Konfrontation der Leere vielmehr als kalkulierter Akt der Selbstdarstellung zu verstehen, eine Rückkehr des Autors in postmoderner Literatur welche Romantische Genievorstellungen konsolidiert statt sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen?
Zur Beantwortung dieser Fragen verbindet mein Projekt Methoden aus Romantikforschung, new formalism, Poststrukturalismus, masculinity studies und critical whiteness studies, um eine neue, gender- und soziopolitisch relevante Leseart des US-amerikanischen postmodernen Kanons zu erarbeiten.

Publikationen

Fiktion (Auswahl)

  • „Und danke für den Fisch.” Texte des Monats 2020. Klima- und andere Katastrophen, hg. Isabelle Vonlanthen, Literaturhaus Zürich (2021).
  • „Festival.” Rougarou. Journal of Arts & Literature, University of Louisiana, Lafayette, vol. 4 (2020).
  • „Xanadu.” The Foundationalist. Intercollegial Literary Journal, Yale University, vol. 3, no. 1 (2019).

Vorträge

  • „Playing in the Snow: Whiteness and Authorial Reflection in Stanley Kubrick’s The Shining.” Kubrick and Race, org. Joy McEntee, University of Adelaide (13.9.2021).